TechTalk No9 -

 

 

TechTalk No9 10-10.2011

Toller Bass in weiter Hörzone

Willkommen beim TechTalk - dem (un)regelmäßig erscheinenden Newsletter von ari acoustics. TechTalk erläutert technische Grundlagen und Hintergründe und stellt neue Produkte vor. TechTalk soll auch zur Diskussion anregen. Schreiben Sie uns Ihre Anregungen, Fragen und Korrekturen.

TechTalk No1:
Welche Lautstärke soll eine Hifi-Anlage im Hörraum bzw. an der Position des Hörers im Hörraum erzielen?

TechTalk No2:
Welche Lautsprecher und Verstärker benötige ich für Hifi-gerechte Lautstärke in meinem Raum?

 

TechTalk No3:
Welchen Einfluss hat das Bündelungsverhalten meines Lautsprechers und das Absorptionsverhalten des Hörraumes auf Lautstärke und Frequenzgang?

TechTalk No4:
Welche Verstärkerleistung verkraftet mein Lautsprecher - Elektrische Belastbarkeit von Lautsprechern

 

TechTalk No5:
Interview mit Allen Isaaksen, Chef von Wavecor

TechTalk No6:
Basswiedergabe in Wohnräumen und Auslegung eines Subwoofers mit dem Wavecor SW182BD01/02

 

TechTalk No7:
Aero2D - die strömungsgünstige Bassreflexöffnung

 

TechTalk No8:
Die HDSP-Line – mit High End Digitalem Signal Processing zur optimalen Basswidergabe

 

TechTalk No9:

Toller Bass in weiter Hörzone. Wenn mehr als ein Hörer glücklich werden soll.

 

1. Übersicht:

Sie können heutzutage mit einem guten Pärchen Stereolautsprecher oder einem top Subwoofer eine beeindruckende Tiefbasswidergabe erzielen. Mit steifen Membranen, großzügig dimensionierten Magneten und angetrieben durch starke Verstärker erreichen Sie dabei eine sehr tiefe untere Grenzfrequenz auch bei kleinen Gehäuseabmessungen. Basspower ist kein Geheimnis, sondern eine Frage der soliden Konstruktion und nicht zuletzt des betriebenen (auch finanziellen) Aufwands. TechTalk No6 und No7 geben Hinweise zur richtigen Auslegung.

DSP-Regelungen ermöglichen die detaillierte und individuelle Abstimmung auf die Raumakustik und die Satellitenlautsprecher. Alte „Geheimrezepte“, die zur „perfekten“ Basspräzision führen sollen und meistens weniger als mehr funktionieren, können sie getrost vergessen. Die heute zuverlässig funktionierende, kostengünstige Messtechnik und einfach zu bedienende digitale Steuerungstechnik bietet unvergleichlich bessere Möglichkeiten. So erzielen Sie auch in schwierigen Räumen einen präzisen Bass der sich bei allem Druck musikalisch in den Gesamtklang einfügt. TechTalkNo8 zeigt was möglich ist.

Was will man mehr?

Nichts! Vorausgesetzt man sitzt im berühmten Sweet Spot, dem Punkt im Raum auf den die Widergabe hin optimiert ist. Die im TechTalk No8 beschriebene Raumkorrektur funktioniert für eine Hörposition optimal.

Bassgenuss für alle! Wenn man das gemeinsame Hörerlebnis mit Freunden anstrebt oder mehrere Lieblingsplätze hat um die Musik zu genießen. Immer dann, wenn eine größere Hörzone angestrebt ist, wie etwa beim  Heimkino mit mehreren Sitzplätzen, wird ein noch weiter ausgefeiltes Bassmanagement notwendig.

In den folgenden Kapiteln wir beschrieben, wie man in einer weit ausgedehnten Hörzone zu einer bestmöglichen Basswidergabe kommt.


2. Grundproblem

Um in einer Hörzone einen guten Bass zu haben muss dort an jedem Punkt der Frequenzgang glatt, die unterer Grenzfrequenz ausreichend niedrig und das Impulsverhalten mit möglichst kurzen Nachschwingern sein.

In Wohnräumen ist dies ausgesprochen schwierig zu bewerkstelligen, denn die Basswidergabe wird dort durch die Ausbildung von Raumresonanzen, den sogenannten Raummoden, dominiert. Diese Raummoden führen zu starken Frequenzgangänderungen und beeinflussen auch das zeitliche Verhalten (TechTalkNo8) negativ. Unglücklicherweise wirken sich die Raummoden an jedem Punkt des Raumes unterschiedlich aus. Je stärker die Raummoden ausgeprägt sind, desto starker ändert sich die Basswidergabe je nach Position des Hörers im Raum.

Für eine einzelne Hörposition im Raum kann die Auswirkung der Raummoden elektronisch nahezu perfekt kompensiert werden (TechTalk No8). Für ambitionierte Stereophonie, bei der Sie als Hörer ohnehin exakt im Sweet Spot sitzen müssen um eine perfekte räumliche Darstellung zu erhalten, ist das vollkommen ausreichend. Um aber eine gleichmäßig guter Basswidergabe in einer größeren Hörzone zu erreichen, muss die Ausbildung der Raummoden so weit als möglich unterdrückt werden.

3. Unterdrückung von Raummoden

Die Raummoden sind – wie der Name schon andeutet- Eigenschaften des Raumes! Sie können nur durch eine Änderung der Raumgeometrie oder der Dämpfung im Bassbereich verändert werden. Beides sind sehr aufwändige Maßnahmen, die in einem normalen Wohnraum in aller Regel nicht umgesetzt werden können. Die Raummoden selbst können also nicht verändert werden.

Am besten ist, die Raummoden gar nicht anzuregen. Hierzu muss der Subwoofer oder die Stereolautsprecher entsprechend im Raum positioniert werden. Das Grundprinzip hierfür zeigt Bild 1.

Bild1: Schalldruckverlauf durch Ausbildung von Raummoden zwischen zwei Wänden

a)   Maximale Anregung durch einen Lautsprecher in einer Raumecke

b)   Minimale Anregung durch zwei optimal platzierte Lautsprecher

 

Für die klassische Stereophonie wurden hier zahlreiche Hilfsmittel von der einfachen Daumenregel (Lautsprecher raus aus der Ecke) bis zum PC-basierte Raumresonanzrechner (CARA, Stereoplay) entwickelt.

Raumresonanzrechner sind heute „schwer in Mode“. Es werden hohe Erwartungen in sie gesetzt - die sich fast nie erfüllen. Die Berechnungen benötigen grundsätzlich immer exakte Angaben über die Beschaffenheit der Wände, Türen und Fenster. Diese sind im konkreten Anwendungsfall nicht bekannt. Näherungsweise Angaben führen aber immer zu deutlichen Abweichungen im Ergebnis. Die Raumresonanzrechner erlauben daher keine ausreichend genaue Simulation um Optimierungsmaßnahmen exakt umzusetzten. Die Simulationsrechner sind aber ein gutes Werkzeug um die grundsätzlichen Zusammenhänge zu studieren und eigene Experimente zielgerichtet durchführen zu können. Es gilt: Probieren geht über Studieren – aber besser mit Studieren vor dem Probieren.

Eine extensive theoretische Studie, wie mehrere im Raum verteilte Subwoofer zusammen spielen wurde von Todd Welti durchgeführt (1).

Ergebnis: Durch kombinierten Einsatz von vielen, im Raum verteilten, Subwoofern wird die Anregung einzelner Raummoden unterdrückt und es ergibt sich ein überall gleichmäßiger und glatter Frequenzgang. Viele Subwoofer heißt hier 5000 Subwoofer – da bleibt kaum mehr Platz für einen Zuhörer! Wir die Anzahl auf 50 Subwoofer reduziert, so treten die Raummoden bereits deutlich in Erscheinung. In der Praxis wird man sich auf ein bis vier Subwoofer beschränken. Man muss also mit den Raummoden leben!

Ziel weiterer theoretischer Studien (2) war es, solche Aufstellpositionen zu finden, die zu einem möglichst gleichmäßigen Frequenzgang in der Hörzone führen. Möglichst gleichmäßig heißt in diesem Fall, dass sich innerhalb der Hörzone die Frequenzgänge von Sitzposition zu Sitzposition möglichst wenig unterscheiden. Alle Zuhörer also zumindest das gleiche Klangerlebnis haben. Das Ergebnis dieser Studie ist, das mindestens zwei, besser aber vier Subwoofer benötigt werden. Für den untersuchten Fall (rechteckiger Raum, Hörzone in der Mitte des Raumes) konnten auch bevorzugte Aufstellschemas gefunden werden, die zu einer deutlichen Verbesserung führen.

Bild 2: Günstige Subwooferpositionen in einem rechteckigen Raum. Sehr gut funktioniert sogar die Positionierung in den Raumecken. Diese führt zudem auf den höchsten Wirkungsgrad.


Die Studie zeigt, dass zahlreiche Raummoden unterdrückt werden können (Bild 3). Sie zeigt aber auch, dass selbst bei vier optimal aufgestellten Subwoofern der Pegel im Bassbereich um +/- 10 dB variiert!Da diese Abweichungen aber nun in der Hörzone nahezu gleich sind, können  sie mit einem einzigen gemeinsamen Korrekturfilter für die gesamte Hörzone korrigiert werden.

Bild 3: Auswirkung unterschiedlicher Subwooferpositionen auf den mittleren Frequenzgang in der Hörzone (durchgezogene Linie) und die Sitz zu Sitz Varianz (Mean Spatial Variance, MSV, je kleiner der Wert desto besser). Bereits zwei Subwoofer(b)  führen zu einer deutlichen Reduktion der MSV aber auch zu einem Wirkungsgradverlust von 6dB unterhalb 40Hz. Die zwei Subwoofer spielen also nicht lauter als ein einzelner Subwoofer.


Die Rechnungen verdeutlichen, dass

  • Es mit einem einzelnen Subwoofer unmöglich ist eine große Hörzone gleichmäßig zu beschallen
  • mindestens zwei, besser vier Subwoofer benötigt werden um die Sitz zu Sitz Unterschiede zu reduzieren
  • die Eckposition bei vier Subwoofern hinsichtlich des Wirkungsgrades vorteilhaft ist. Dabei ist die Anregung von Raummoden auch nicht wesentlich ausgeprägter als bei vier wandmittig aufgestellten Subwoofern
  • in jedem Fall eine zusätzliche Frequenzgangkorrektur benötigt wird um einen ausgeglichenen Frequenzgang zu erreichen.

Leider lässt sich die theoretische Studie nur begrenzt auf reale Räume und Hörsituationen übertragen. In der Regel ist die Raumaufteilung und Möblierung unregelmäßig, die Materialien variieren und Fenster und Türen sorgen für Störungen der Symmetrie. Zudem wird man nur in den seltensten Fällen die Subwoofer an ihrer optimalen Position aufstellen können. Meist wird der Aufstellort der Subwoofer durch den Wunsch nach einer harmonischen Integration in das Wohnambiente dominiert. Dennoch, mit verteilten Subwoofern in Kombination mit gezielter Frequenzgangkorrektur hat man eine sehr große Chance eine überdurchschnittlich gute Bassperformance zu erzielen.

 

4. Elektronisches Klangfeldmanagement

Prinzipiell kann die Optimierung noch wesentlich weiter getrieben werden. Technisch möglich ist nicht nur die Positionierung der Lautsprecher oder die Gestaltung einer gemeinsamen Frequenzgangkorrektur. Nein, jeder einzelne aktive Subwoofer kann schließlich unterschiedlich eingestellt werden. Die DSPs moderner Subwoofer erlauben, die Lautstärke, die Verzögerungszeit und den Frequenzgang individuell einzustellen um so das Zusammenspiel aller Komponenten zu optimieren. Bei vier Subwoofern ergeben sich so Millionen von unterschiedlichen Einstell- und Kombinationsmöglichkeiten. Wie aber die beste Einstellung finden? Dieser (letzte?) Schritt zur optimalen Bassperformance kann nur mit zusätzlicher Unterstützung durch ausgefeilte mathematische Optimierungsmethoden zur individuellen Einstellung der Elektronik bewältigt werden.

Leider sind diese Optimierungsroutinen nicht auf dem Markt für den Lautsprecherselbstbauer verfügbar. Die von Harman vorgeschlagene Methode des Sound Field Managements (SFM) soll dennoch kurz skizziert werden. Der von Welti et al. vorgeschlagene Lösungsansatz (3) rückt diesem komplexen Problem mit einer Kombination aus experimentellen und theoretischen Methoden zu Leibe. Zuerst wird experimentell gemessen, welches Klangfeld die einzelnen Subwoofer im Raum erzeugen. Darauf aufbauend dann theoretisch berechnet, wie sich die unterschiedlichen Einstellungen der Subwoofer auswirken.

Das Vorgehen im Einzelnen:

  • In einem ersten Schritt werden die Eigenschaften des Raumes, der Hörpositionen und der Aufstellung der Subwoofer exakt bestimmt. Hierzu wird die Übertragungsfunktion zwischen jedem Subwoofer und jeder Position in der Hörzone experimentell ermittelt. Die Übertragungsfunktionen sind dann die Grundlage für die nachfolgenden Berechnungen. Bei 4 Subwoofern und 6 Sitzpositionen erfordert dies also 4*6=24 Messungen des komplexen Frequenzgangs (Amplitude + Phase), bzw. des Impulsverhaltens.
  • Die Amplitudenvariation von Sitz zu Sitz wird berechnet und die Varianz bestimmt.
  • Nun werden in einem Rechenmodell die Einstellungen der Subwoofer verändert und die Auswirkung auf die Frequenzgänge bei den Sitzpositionen berechnet. Diese Berechnung ist sehr genau, denn das Verhalten der elektrischen Korrekturfilter kann exakt modelliert werden.
  • Mit Optimierungsmethoden wird nun nach geeigneten Kombinationen von Einstellungen gesucht, mit denen die Varianz reduziert werden kann. Die Kunst besteht natürlich darin, mit einem geeigneten Optimierungsverfahren an den richtigen Einstellparametern zu drehen um in einer akzeptablen Rechenzeit eine minimale Sitz zu Sitz Varianz und/oder einen ausgeglichenen Frequenzgang an jedem Sitz zu erreichen.
  • In einem letzten Schritt wird die für alle Lautsprecher zusätzlich anzuwendende gemeinsame Frequenzgangkorrektur berechnet, die zu einer für alle Sitze ausgeglichen Basswidergabe führt.

In einer solchen Berechnung können natürlich auch andere Ziele angestrebt oder zusätzliche Randbedingungen beachtet werden. Beispielsweise ist es wichtig, dass die Anlage nicht nur ausgeglichen spielt sondern auch genug Basspower aufbauen kann. Bei Verwendung mehrerer Subwoofer ist dies nicht selbstverständlich.

Wie leistungsfähig die Methode ist zeigt Bild 4.  Die mittlere Varianz konnte mit 4 Subwoofern drastisch reduziert werden. Das Ergebnis zeigt aber auch sehr deutliche Unterschiede in der erzielten Lautstärke. Ausgehend von (a) sollten vier Subwoofer den mittleren Schallpegel um 12dB steigern können und im Beispiel den Pegel von rund -15.9dB um +12dB auf -3,9dB anheben. Bei der Aufstellung entsprechend (b) werden tatsächlich aber nur -17dB erreicht.

Bild 4: Klangfeldmanagement im Einsatz
a)   Referenzmessung: ein Subwoofer in der Raumecke zeigt einen unausgeglichenen Frequenzgang bei großer Sitz-zu Sitz Varianz
b)   Vier raummittig aufgestellte Subwoofer zeigen minimale Varianz aber einen unregelmäßigen Frequenzgang
c)   Vier Subwoofer in der Ecke zeigen sowohl ausgeglichenen Frequenzgang als auch eine geringe Varianz. Ein herausragendes Ergebnis für diese viel geschmähte Aufstellungsart.


Die vier Subwoofer in (4b) spielen leiser als der einzelne Subwoofer in (4a)!!! Bei Betrachtung der optimierten Einstellungen wird klar warum: zwei von vier Subwoofern spielen nur mit einem Viertel ihrer Leistung
(-6dB), der Dritte gar nur mit einem sechzehntel der Leistung (-12dB). Drei Subwoofer werden also gar nicht ausgenutzt während der Vierte alle Last alleine trägt und tendenziell überlastet ist. Die nachfolgende Frequenzgangkorrektur erfordert zudem den Ausgleich von rund 20dB Pegelunterschied zwischen 46Hz und 53Hz. Dies erfordert in diesem Frequenzbereich die 100fache Leistung - eine Aufgabe die jeden Verstärker überfordert! Wesentlich günstiger ist die Aufstellung in der Eckposition nach (4c). Hier werden alle vier Subwoofer voll genutzt. Der Schallpegel liegt nahe dem theoretischen Optimum bei -7,6dB. Zudem ergibt sich im Beispiel bereits ohne nachfolgende Frequenzgangkorrektur ein nahezu ausgeglichener Frequenzgang!

Das Beispiel zeigt die enorme Leistungsfähigkeit des Systems aber auch die Risiken der Multi-Subwoofer Optimierung. Variante (b) führt trotz beträchtlichem Aufwand zu keinem zufrieden stellenden Ergebnis. Dagegen bietet Variante (4c) eine hervorragende Lösung mit gutem Wirkungsgrad und maximalen Schalldruck bei nur geringfügig höherer Sitz zu Sitz Varianz.

Wie gesagt - leider stehen für den DIY Bereich keine entsprechenden Optimierungsprogramme zur Verfügung. Dieser letzte Optimierungsschritt bleibt also den Experten von JBL und ausgewählten und geschulten Händlern vorbehalten (ARCOS Adaptive Room Correction). Hier gibt es also für die Mathematikexperten der DIY Gemeinde durchaus ein lohnenswertes Betätigungsfeld.


5.  Double Bass Array und ein Performancevergleich

Ein weiterer Ansatz um die Anregung von Moden zu unterdrücken besteht im Aufbau eines Double Bass Arrays, DBA (4). Bei einem DBA werden zwei Lautsprechergruppen benötigt. Eine entlang der Vorderwand, die den Schall erzeugt und eine andere an der Rückwand, die den produzierten Schall wieder „einsammelt“ bevor er in den Raum zurückreflektiert wird und zur Ausbildung von Raummoden führen kann. Das System ist in Wikipedia recht anschaulich erläutert, weshalb hier auf eine nähere Darstellung verzichtet wird. Meine Erfahrung beim Test eines solchen Systems ist, dass es nur in quaderförmigen Räumen bei exakter Aufstellung funktioniert. Allerdings besitzt das System einen recht geringen Wirkungsgrad, weswegen leistungsfähige Subwoofer und Verstärker benötigt werden. Bei deutlich abweichenden Räumen oder wenn keine exakte Lautsprecherpositionierung möglich ist, funktioniert das DBA nicht richtig. Weder in meinem Hörstudio mit Dachschräge noch in meinem Wohnzimmer mit großem Durchbruch zum angekoppelten Esszimmer konnte ich ein DBA mit zufriedenstellendem Ergebnis einrichten.

Die Klangqualität der unterschiedlichen Optimierungsansätze wurde von der Universität Salford wissenschaftlich untersucht (5). Verglichen wurde

a)   einzelner Subwoofer in einer Raumecke
b)   einzelner Subwoofer in einer Raumecke, Frequenzgang per parametrischem Equalizer korrigiert
c)   einzelner Subwoofer an der vorderen Wandmitte
d)   einzelner Subwoofer an der vorderen Wandmitte, Frequenzgang per parametrischem Equalizer korrigiert
e)   Welti Aufstellung nach Bild 2d, Frequenzgang nicht korrigiert
f)    Optimierte Welti. Aufstellung nach Bild 2d, der rückwärtige Lautsprecher wurde verpolt und mit Zeitversatz eines DBAs angesteuert
g)   DBA (in der Untersuchung CABS Verfahren benannt) mit 4 ideal platzierten Lautsprechern
h)   OPOC, Opposite Phase Opposite Corner Verfahren, bei dem ein Lautsprecher in der Raumecke platziert wird, während sich der  zweite Lautsprecher in der gegenüberligenden Raumecke befindet und verpolt angeschlossen wird.

Bild 5: subjektiv bewertete Klangqualität (gut = hoher z Score) unterschiedlicher Bassysteme


Wie die Untersuchungen eindeutig zeigen, ist die Positionierung eines Subwoofers in der Raumecke extrem schlecht und fällt weit hinter alle anderen Aufstellungen zurück. Erstaunlich ist aber, wie stark diese Aufstellung von einem korrekten Equalizing profitiert. Ein per DSP korrigierter Subwoofer und übertifft in der Klangqualität alle Aufstellungsvarianten, die ohne elektronische Eingriffe auskommen müssen! Einen nochmaligen deutlichen Qualitätsschritt bietet die Kombination der elektronischen Korrektur in Kombination mit dem Einsatz mehrerer Lautsprecher (Welti optimized, CABS).

Kosten und Wirkungsgrad der Systeme wurden nicht in die Betrachtung mit einbezogen. Nicht verschwiegen darf aber, dass der Wirkungsgrad des „optimierten Welti“ Systems gering ist. Wie Bild 5a zeigt, werden im zentralen Bassbereich zwischen 40 Hz und 60 Hz rund 10dB weniger Schalldruck erzeugt als bei der standard Welti Konfiguration mit zwei Lautsprechern. Die mit vier Lautsprechern und zwei Endstufen doppelt so aufwändige CABS-Lösung bietet im Bereich zwischen 50Hz und 80Hz einen 5dB bis 10dB geringeren Schalldruck, Bild 5b. Das sind nicht zu vernachlässigende Größenordnungen, bedeuten doch 10dB weniger Schalldruck rund die 10-fache Verstärkerleistung die zur Kompensation benötigt wird. Ein per DSP korrigierter Subwoofer bietet den optimalen Wirkungsgrad und kann daher kleiner dimensioniert werden. Trotzdem erreicht er eine sehr beachtliche Klangqualität – selbst wenn er in einer Raumecke versteckt wird.

 

Bild 5: Frequenzgang, der bei der subjektiven Bewertung verwendeten Basssysteme. oben: A) Welti, b) Welti optimized, unten: CABS bzw. DBA


Leider wurde bei den Hörtests auch darauf verzichtet, jeweils die Varianten mit elektronisch korrigiertem  Frequenzgang zu vergleichen. Besonders die von Welti selbst empfohlene Kombination seiner Aufstellung nach Bild 2d mit einer elektronischen Frequenzgangkorrektur wäre spannend gewesen. So konnte die klangliche Bedeutung der deutlich unterschiedlichen Frequenzgänge der Basssysteme nicht herausgearbeitet werden. Dass diese eine starke Bedeutung haben, zeigen zahlreiche andere Untersuchungen, insbesondere die von S. Olive durchgeführten Vergleiche zu unterschiedlichen Raumkorrekturverfahren (Siehe TechTalk No3, Bild TT03.06). Es bleiben also noch einige Fragen offen.


6. Fazit

Die Optimierung der Basswiedergabe in geschlossenen Räumen geht sehr weit über die Auswahl eines tollen Subwoofers oder Basslautsprechers hinaus. Wie die Erfahrung zeigt, sind gerade große und leistungsfähige Subwoofer klanglich durchaus schwierig. Je stärker die Tiefbasswiedergabe ist, desto mehr leichter geht aller Wohlklang im Modensumpf des Raumes unter. Die Frage, ob der Subwoofer ein Bassreflex-, Transmissionline- oder geschlossenes Gehäuse hat, ist dabei  nur begrenzt von Bedeutung. Selbstverständlich – ohne einen guten Tieftöner bzw. Subwoofer und ein entsprechend passendes und perfekt gebautes Gehäuse geht es nicht - für eine perfekte Basswidergabe braucht es aber viel mehr als nur ein tolles Basschassis und einen leistungsfähigen Verstärker.

Wie die dargestellten Zusammenhänge zeigen, ist die Aufstellung der Subwoofer ein effizienter Stellhebel zur Optimierung. Das ist keine wirklich neue Erkenntnis – interessant ist aber, dass mit mehreren Subwoofern wesentlich bessere Ergebnisse erzielt werden können als mit einem einzelnen Prachtexemplar. Überraschend (zumindest für mich) ist das gute Abschneiden von 4 Subwoofern, die in die sonst so verschmähten Raumecken gestellt werden. Mit vier kleinen Subwoofern können Sie so eine Basswidergabe erreichen, die in einer weiten Hörzone überzeugt.

Die Ergebnisse zeigen zudem, dass Sie einen richtig knackigen Bass erst dann bekommen, wenn das ganze Equipment elektronisch an den Raum angepasst ist. Die elektronische Nachhilfe ist vor allem dann hilfreich, wenn Ihr Hörraum von der idealen Rechteckform abweicht und/oder unsymmetrisch möbliert ist oder Sie die Lautsprecher nicht an den Idealpositionen unterbringen können.

Mein Rat an Sie: Wenn Sie in einen leistungsfähigen Subwoofer oder in ein Subwoofersystem investieren, dann investieren sie auch in ein Messmikrophon. Das muss nicht mal ein besonders teures sein. Preiswerte Mikrophone wie das Behringer ECM8000 sind zwar keine absolut genauen Messmittel, haben aber im Bassbereich einen ausreichend glatten Frequenzgang um schmalbandige Raumresonanzen zuverlässig und mit guter Genauigkeit aufzuspüren. Mit diesen Hilfsmitteln sind Sie richtig gerüstet für die Jagd nach der optimalen Aufstellposition und der perfekten Elektronikeinstellung.

Natürlich sind die Ari-Acoustics SubPerfect oder –HDSP Systeme die optimalen Lautsprecher für die Realisierung solch ausgefuchster Systeme. Die -HDSP Systeme haben die DSP-Steuerung eines beliebigen externen aktiven Subwoofers gleich mit eingebaut. Bei den SubPerfect Subwoofern ermöglicht Ihnen das Verstärkermodul Hypex PSC2.400 mit seiner per DSP ideal einstellbaren Power von 2 mal 400 Watt alle Eingriffsmöglichkeiten bei Frequenzgang und Laufzeitkorrekturen. Vom SubPerfect-182 mit vier superkompakten Woofern bis zum wahrlich tiefbassgewaltigen SubPerfect-312Ultra - mit den SubPerfect Systemen können Sie alle Aufstellungsvarianten von Welti bis zum DBA umsetzten. Glauben Sie mir - das ist die interessanteste und erfolgreichste Art eine "perfekte" Bassperformance zu realisieren. Ein toller Bass in einer weiten Hörzone, mit einer Qualität die ihresgleichen lange sucht!

Viel Erfolg und viel Spaß
wünscht Ihnen Ihr
Dr. Markus Beck

Ari Acoustics

 

7. Literatur

1) Todd Welti: How Many Subwoofers are Enough, AES Convention Paper 5602, 112th Convention, 2002 May 10–13 Munich, Germany

2) TODD WELTI, ALLAN DEVANTIER: Low-Frequency Optimization Using Multiple Subwoofers, J. Audio Eng. Soc., Vol. 54, No. 5, 2006 May

 3) Todd S. Welti1 and Allan Devantier: In-Room Low Frequency Optimization, AES 115TH CONVENTION, NEW YORK, NEW YORK, 2003 OCTOBER 10-13

4) SOFUS BIRKEDAL NIELSEN, ADRIAN CELESTINOS: TIME BASED ROOM CORRECTION SYSTEM FOR LOW FREQUENCIES USING MULTIPLE LOUDSPEAKERS, AES 32nd International Conference, Hillerød, Denmark, 2007 September 21-23

5) B.M.Fazenda, L.A.Elmer, M.Wankling, J.A.Hargreaves, J.M.Hirst: Subjective Preference of Modal Control in Listening Rooms, AES 129th Convention, San Francisco, CA, USA, 2010 November 4–7